JustusKraft.de:Photographer
Persönliches Blog

Hochzeit mit der Sony A7 ?
Hochzeit mit der Sony A7 ?

Hochzeit mit der Sony A7 ?

Ja, diese kleine Sony liegt voll im Trend. Eigentlich weiß ich auch gar nicht wieso, zumindest nicht so richtig. Klar, das Teil ist klein und leicht, und Spiegellose sind ja sowieso cool. Hey, man hat Apps! Außerdem ist der Viewfinder ja der Beste (nach der OMD), den es gibt.

Aber egal was die Masse sagt, elektronische Viewfinder sind kacke — basta. Einmal durch den Sucher einer Mittelformat geguckt und du weißt, wie die Welt aussieht. Und Apps sind auch Quatsch. Farbkorrekturen In-Camera? Jap, bei dem Display auf jeeeden Fall sinnvoll. Also warum habe ich mir die Sony A7 gekauft — und setze sie sogar professionell ein?

Nun, das hat mit meiner Liebe zur analogen Fotografie zu tun — verrückt oder?
Das Leben hat Ecken und Kanten, es ist nicht perfekt. Jeder Mensch hat Ecken und Kanten, und ist nicht perfekt. Ich bin der festen Überzeugung, dass nur durch Ecken und Kanten Charakter entsteht. Wir mögen Menschen, die nicht aalglatt sind, finden den Retro-Charme eines Möbelstücks toll, weil es Macken hat und wir lieben die Natur, weil die nunmal einfach macht was sie will.

Die digitale Fotografie hat viel mit Optimierung zu tun. Objektive werden im Labor gebaut, optisch korrigiert, bis ins kleinste Detail perfektioniert. Keine Vignettierung, keine Verzerrung und schon gar keine Aberrationen darf die Linse haben — und das Bokeh muss butterweich sein. Und auf Retusche und Photoshop möchte ich erst gar nicht eingehen.

Doch wie immer ist die Welt nicht schwarz und weiß. Natürlich stehe auch ich auf rauschfreie Bilder, tolles Bokeh und technische Spielereien.

Die Sony A7 bietet mir eine Kombination aus beidem, sozusagen eine digitale Kamera mit Wahnsinns-Sensor, technischen Schnick-Schnack (Peaking!) und der Möglichkeit tolles, nicht digitales Glas zu verwenden.

Per Adapter finden Objektive mit Leica-M-Mount ihren Weg an meine A7:
Klein, leicht, lichtstark — und charaktervoll. Manuellen Fokus bin ich vom Analogen sowieso gewöhnt, und ist mit einem solch weichen Schneckengang samt Fokus-Peaking überhaupt kein Problem. Was soll ich sagen, ich liebe es mit der Kamera zu arbeiten.

Doch kommen wir doch mal zum Titelgebenden, der Hochzeit. Die Hochzeitsfotografie hat oft andere Anforderungen, als Portraits oder Studiofotos. Aber gerade hier, wo man vielfach denkt — schneller Autofokus und zackige Bildfolge ist das A und O — hilft mir die A7 mich ganz auf mein Handwerk zu konzentrieren. Ich werde langsamer, überlegter und komponiere mehr — zumindest gefühlt. Bis dann der Shuttersound kommt, so ein grässliches Auslösegeräusch habe ich selten gehört. Aber Contenance bewahren — es gibt immer Kompromisse.

Die Bildqualitäten der Sony A7 sind über alle Zweifel erhaben, und der Sensor spielt auch bei Hochzeiten sein volles Potential aus. Gedimmtes Licht in der Kirche oder Kerzenstimmung beim Abendessen, Blende auf, ISO hoch und nicht ums Technische scheren. In Kombination mit den tollen Objektiven von Voigtländer und ko blüht die A7 erst richtig auf, und zeigt Fotos, die mich einfach sehr zufriedenstellen. Vignettierung und Schärfeverlauf habe eine ganz eigene Anmutung, die ich sehr schätze, und die moderne Kameratechnik zeigt mir keine Grenzen auf. Durch die geringe Größe von Kamera und Objektiven kann ich mich gut zwischen den Menschen bewegen, und dann lichtstarker Optiken größtenteils auf Blitzlicht verzichten. Außerdem wirkt die Sony A7 lange nicht so bedrohlich, wie optisch vergleichbare Systeme, und sorgt für weniger -beschämte- neugierige Blicke der Hochzeitsgesellschaft.

Ich bin fürs Erste glücklich, auch wenn die Kamera ihre ganz eigenen Probleme mit sich bringt.

Die gezeigten Fotos entstammen der Hochzeitsreportage von Verena & Jens in Essen. Mehr Fotos gibt es hier zu sehen.

Veröffentlicht am